Jean-Paul Brodbeck Group – Hang on Hippie || Rondo, 01.2010

Rondo, January 2010
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Jede Jugendbewegung hat ihren Sound. Die späten Sechziger und Siebziger waren geprägt von Soul, Singer-Songwritern, den Anfängen des Bombast-Rocks, Rockjazz und der frühen Fusion und das neue Instrument jener Jahre war das Fender Rhodes E-Piano. All dies hat der Pianist Jean-Paul Brodbeck noch nicht bewusst erlebt – er wurde erst 1974 geboren. Dennoch fühlt er sich ganz gut in die Klangwelt jener Jahre ein – allerdings weniger in die von den Hippies bevorzugten Sounds, sondern in jene, mit denen Ex-Hippies Anschluss an den Jazz fanden. Im Grunde genommen wäre Brodbeck in jenen Jahren mit einer eigenen Variante des Generalthemas wahrgenommen worden: der Verschmelzung von Jazzrock und der Tradition des akustischen Jazz, was sich bei ihm in treibende Rhythmen und von Wolfgang Zwiauer geschickt eingeregelten stumpfen Bässen zum Ausdruck kommt – während die Snare des Schlagzeugs klingt wie aus den späten Neunzigern. Insofern entstand eine neue Musik aus den alten Elementen – und die hat es in sich, denn Brodbeck, der Gittarist Wolfgang Muthspiel und der Saxofonist Johannes Enders kokettieren mit Witz und Humor mit dem Alten und den Sound von früher, ohne zu verleugnen, dass sie moderner als die Helden von damals denken. 

Auch hätte damals kein Schlagzeuger so komplexe Muster wie Christian Niederer geschlagen. Doch gerade diese von heutigen Standards ausgehende Annäherung an den Sound von früher macht den Reiz der Platte aus. Wahrscheinlich hätten die in den Siebzigern schon den Horizont von Woodstock überschreitenden Teilgruppen der ehemaligen Hippies ihre Freude an den groovenden Nummern gehabt. **** (von 5 Sternen) 

Von Werner Stiefele 

Jean-Paul Brodbeck Group: hang on hippie || Wiener Zeitung, 09.01.2010

Wiener Zeitung, 09 January 2010
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Durchhalten, Hippie! Wer solches ausruft, liefert die zugehörige Überlebensstrategie gleich mit: Die Musik des Schweizer Jazz-Pianisten Jean-Paul Brodbeck klingt utopie- und hanffrei, bewahrt aber einen Restposten an Flockigkeit. Da düdelt das E-Piano launig, da treibt der E-Bass kommode, aber doch gefällige Melodien an, da bohrt die E-Gitarre von Wolfgang Muthspiel mitunter kratzig in der Erinnerung an selige Jazzrock-Zeiten. Luftige, nur hie und da allzu luftige Instrumentalmusik, bei der alle Langhaar-Seelen selbige baumeln lassen können.

Von Christoph Irrgeher